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Entstehung einer Geschichte

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1. Begegnungen (überarbeitet)

Sie Sonne schien durch die Ritzen des Vorhangs in ein kleines, gemütliches Zimmer im Erdgeschoss eines Reihenhauses. Da das Fenster gekippt war, hörte man, wenn man leise genug war, die Vögel im Vorgarten, die mit ihren hellen Stimmen den neuen Tag besangen. Es wehte eine sanfte Frühlingsbriese, die die letzten dicken Winterwolken vertrieb, ins Zimmer. Das Mädchen im Bett zog im Halbschlaf die Decke noch ein wenig enger um ihre schmalen Schultern und kuschelte sich noch tiefer in das Kissen, eine Hand an der vanillefarbenen Wand, welche mit einem orange-roten Muster verziert war. Glatte, braune Haare fielen ihr leicht ins Gesicht.
Neben dem Bett fanden gerade noch ein Schreibtisch, ein dazu gehöriger Stuhl sowie ein Kleiderschrank und eine kleine Kommode in dem Zimmer Platz, und schon war es voll. An den verzierten Wänden hingen eigenartige Bilder. Bei manchen war es schwer auszumachen, was genau darauf abgebildet war. Eines jedoch erkannte man sehr gut. Es hang über der kleinen Kommode und zeigte eine Frau mit langem, schwarzem Haar auf hellem Grund. Dieses Bild zog sofort den Blick eines jeden Besuchers auf sich, so stark und prägnant war seine Wirkung. Es war ein einfaches Bild, ohne Farbe, und jeden Betrachter wunderte es, wie er so davon fasziniert werden konnte.
So blieb auch der Blick des fremden Besuchers daran hängen. Er legte den Kopf schief, atmete tief ein und zischend wieder aus. Er ging auf die Kommode zu, stütze seine Hände darauf ab und neigte sich nach vorne, bis seine Nasenspitze fast das Bild berührte. Vorsichtig, als wäre es eine zerbrechliche Kostbarkeit, berührte er es, strich mit langen Fingern darüber, strich die Konturen der Frau nach.

Das Mädchen in dem Bett ließ ein zufriedenes Schnarchen von sich hören. Laut, gedehnt und gemütlich.
Der Mann ballte die Hände zu Fäusten, schloss die Augen und zählte langsam bis drei.

Eins..
Zwei…
Drei….

Ein Klopfen am Fenster.

Kiah fuhr mit einem Schrei hoch, die Hände in die Bettdecke gekrallt. Entsetzt und mit schreckensweiten Augen sah sie zum Fenster. Dort stand ein Mädchen mit einem runden Gesicht, das von ihren Locken unterstrichen wurde. Sie winkte Kiah zu, oder auch doch nicht, denn irgendwie sah der blonde Lockenkopf an Kiah vorbei.
Kiah drehte sich mit einer dumpfen Vorahnung um. Rechts von ihr, gleich neben der Kommode, hörte sie ein gedämpftes Brummen. Ein hoch gewachsener, schlaksiger Mann ging an ihrem Bett vorbei auf das Fenster zu. Kiah bemerkte seine zu Fäusten geballten Hände. Ein Schauer lief ihr über den Rücken und zugleich eine Erleichterung, denn er sah sie nicht an und sie gab sich der Hoffnung hin, er hätte sie bisher noch nicht bemerkt. Von draußen erklang ein glockenhelles Lachen.
„Na komm, fang mich, Rhal.“
Die goldenen Locken des Mädchens hüpften, als es sich umdrehte und schnell wie ein Gepard durch den kleinen Garten lief. Der Mann ging zum Fenster und zog mit einem Knurren den Vorhang zur Seite.
„Das darf doch nicht wahr sein.“, brummte er.
Er öffnete das Fenster, stieg auf den Sims und sprang dorthin, wo eben noch das Mädchen gestanden hatte und verschwand im morgendlichen Nebel, als hätte es ihn nie gegeben.

Kiah saß noch eine ganze Weile aufrecht in ihrem Bett, einer Statue gleich. Langsam erwachte sie aus ihrer Starre und ein stechender Schmerz drängte sich in ihr Bewusstsein. Ihre Finger, immer noch verkrampft in die Bettdecke gekrallt, taten weh und schrien nach Entspannung. Langsam löste sie den starren Griff, ließ die Bettdecke sinken und schaute auf ihre zitterten Händen. „Was war das?“, fragte sie sich. „Was zur Hölle war das!?“ Gedanken wirbelten durch ihren Kopf. Ein Mann, in ihrem Zimmer, aber wie? Und wer?
Doch noch ehe sie das Erlebte ordnen konnte, zog etwas ihre Aufmerksamkeit auf sich. Es war nicht mehr als ein Hauch, der sie vorsichtig streifte. Sie sah zum Fenster auf. Dort stand wieder das Mädchen mit den goldenen Locken. Graue Augen musterten sie neugierig. „Na los, komm, oder willst du warten, bis Rhal wieder zurück kommt?“
Riah war zu verdutzt, um irgendetwas antworten zu können.
Das Mädchen sprang mit einem eleganten Satz auf den Fenstersims und ins Zimmer.
„Na los, komm schon. Wir haben keine Zeit.“ Sie reichte Kiah eine Hand. „Vertrau mir. Rhal ist kein Geselle, dem man im Schlafanzug begegnen sollte. Komm!“
„Wie bitte, wer, was wo? Was ist hier eigentlich los?“ Zu verwirrt, um irgendeinen klaren Gedanken fassen zu können, schwang Kiah die Füße aus dem Bett. „Wer bist du, was machst du hier und was willst du eigentlich von mir?“
„Ist dir dein Leben lieb? Dann stell jetzt keine Fragen, zieh dir was Bequemes an und komm einfach.“
Das Mädchen ließ die immer noch ausgestreckte Hand sinken, ging zum Kleiderschrank, öffnete ihn und sah sich eine Weile lang das Durcheinander an. „Na, ordentlich bist du ja nicht gerade.“ Schultern zuckend griff sie nach einer Hose und einem leichten Pullover. „Hier, zieh das an. Und beeil dich!“ Während Kiah sich ihren Schlafanzug aus- und die frische Kleidung anzog, beobachtete das Mädchen sie neugierig. „Ich bin übrigens Godalie. Nett, dich kennen zu lernen, Kiah.“
„Woher..?“ Doch noch ehe Kiah ihre Frage stellen konnte, unterbracht Godalie sie mit einem harschen „scht!“ und energischem Kopfschütteln, sodass ihre Locken auf und ab sprangen. „Nicht jetzt, du dummes Ding. Ich hab dir bereits gesagt, wir haben es eilig.“
„Aber – wohin willst du mich bitteschön bringen? Und woher weißt du, wie ich heiße? Und sowieso, was glaubst du eigentlich wer du bist?“
Endlich löste sich die Starre um Kiah und eine Wut kochte in ihr auf. Was glaubte die blond gelockte Schnepfe eigentlich, wer sie ist, dass sie einfach so am frühen Morgen in ihr Zimmer gehoppst kommen und sie einfach so, mir nichts dir nichts, mitnehmen kann? Und wohin überhaupt? Was sollte das Theater? Sie würde keinen Schritt machen, bevor sie keine Antworten bekam.
„Du dummes Ding!“, fuhr Godalie sie an. „Verstehst du etwa nicht, was ich dir sage?“ Sie trat einen Schritt auf Kiah zu. Ihre grauen Augen funkelten, als sie mit ernster Stimme weiter sprach. Eine Stimme, die so gar nicht zu diesem so sanft wirkenden Wesen passen wollte. „Es geht hier um dein Leben, Schätzchen und ich bin hier, um dich zu retten. Du kannst natürlich auch hier bleiben und auf Rhal warten. Der Kerl, der vorhin in deinem Zimmer war“, ergänzte Godalie, als Kiah eine Augenbraue hochzog. „Stelle keine Fragen mehr, komm einfach mit.“ Ihre Stimme wurde wieder sanft und weich. „Vertrau mir.“ Sie hielt Kiah eine Hand entgegen. „Komm schon!“ Kiah griff ohne weiter darüber nachzudenken zu.
„Godalie, lass sie los!“
Der junge Mann mit den schwarzen Haaren und den blauen Augen stand keuchend vor dem Fenster. Kiah hatte ihn weder kommen sehen, noch hatte sie ihn gehört bevor er gesprochen hatte. Seine Haltung war leicht gebückt, die Muskeln unter dem schwarzen T-Shirt angespannt. Seine Augen verengten sich.
„Lass sie los, Godalie.“
„Du bist zu spät, Rahl“, säuselte Godalie noch und lächelte ihn selbstgefällig an, bevor er auch noch etwas erwidern konnte. Kiah spüre einen starken Ruck, so, als würde ihr der Arm ausgerissen und Dunkelheit umfing sie.
11.2.09 11:41
 


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